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Gothic ich vermisse dich

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Gothic ich vermisse dich

Gothic, was ist das denn?

Gothic ist doch ein alter Hut, werden jetzt viele Sagen und dennoch musste ich in den letzten Tagen oft über den Titel nachdenken. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass ich im Keller nach Weihnachtsschmuck suchte und einen Stapel alter Spielezeitschriften entdeckte. Dort war unter anderem das Gothic 3 Debakel Thema, aber auch allgemein die Gothic-Serie. Bei mir begann der Hype damals nämlich nur schleppend. Ich bin gegen Kommentare der Masse weitgehend immun und so ignorierte ich über Jahre sämtliche Hinweise von Personen, die mir Gothic aufschwatzen wollten. Für mich mussten Rollenspiele wie ein Diablo bzw. Diablo 2 sein, also Top-Down-Perspektive und Totklick-Mechanik. 3D wollte und brauchte ich nicht, so etwas wie Gothic war für mich eigentlich kein echtes Rollenspiel. Gothic, was sollte das überhaupt sein?

3D Adventure Schrägstrich Tomb Raider

So wehrte ich mich gegen die Empfehlungen und war immun gegen Tipps und Kommentare, die immer wieder das “Super geniale Rollenspiel” ins Gespräch brachten. Was an Gothic so genial war, dass hörte ich allerdings nie heraus. Irgendwann einmal griff ich dann doch zu. Ich suchte nach einem neuen Spiel, zum damaligen Zeitpunkt gab es aber nichts (Sommerloch?!), also durchstöberte ich das Regal mit den Budget-Titeln. Dort entdeckte ich aber irgendwie auch nur scheiße und das einzige Spiel, welches den Zehner wert war, schien mir Gothic zu sein. Sah irgendwie nach 3D Adventure Schrägstrich Tomb Raider aus, zumindest wenn es nach den Bildern auf der Verpackung ging. Gekauft, installiert, gestartet.

Der reine Wahnsinn

Tatsächlich war mir dieses 3D Rollenspiel Zeug damals noch recht fremd. Die matschige Grafik war auch nicht ganz so schick, das konnte die Konkurrenz in 2D dann doch besser. Nur die Weitsicht, die war halt vom Start weg genial. Dann dauerte es so fünf Minuten, bis mich die Lust wieder verlassen hatte. Das war mir alles zu sperrig, die Steuerung zu dämlich, lange Gespräche waren damals auch nicht unbedingt mein Fall. Das ging nun wieder einige Monate so, vielleicht waren es aber auch Jahre, ich habe keine Ahnung mehr. Immer wieder zockte ich den Start kurz an und beendete das Spiel anschließend wieder, weil mir das alles zu langsam ging. Solange, bis ich irgendwann einmal wirklich zuhörte, erlebte, den Jäger am Ufer traf und dann doch recht schnell beeindruckt von der harten Sprache war, die es so bislang noch nie gegeben hatte. Auch die Skills klangen cool, denn wo konnte man damals schon Tiere häuten, um mit dem Fell Geld zu verdienen? Sehr realistisch war das ganze auch noch und die Grafik war plötzlich nicht mehr matschig und grau, sondern farblos real. Es packte mich und ließ mich nicht mehr los. Kein Spiel erschuf jemals wieder einen derartigen Sog, eine derart glaubhafte Welt, in der ich mich beweisen musste und die Aufträge wirklich Sinn ergaben. Es war der Wahnsinn.

Gothic 2 und so

Dann kam Gothic 2 auf den Markt und diesmal griff ich direkt zu. Oder war es schon lange erschienen und ich hatte gerade erst Gothic gespielt? Ich weiß es nicht mehr genau, aber nachdem ich Teil 1 durchgespielt hatte, gab es beim zweiten nun keinerlei zögern mehr. Schon der Anfang war wieder typisch Gothic. Einfach so in die Stadt spazieren? Nö, bei Gothic kam nicht jeder überall hinein, ich musste mich mit Feldarbeit über Wasser halten, kam dann erst später in die großartige Stadt. Eigentlich erschuf Gothic 2 das selbe Feeling wie Gothic, nur leider fehlte eben das harte Szenario, denn nun war ich in der normalen Welt, mit Paladinen und Bürgern, nicht mehr unter Gefangenen in einer Kolonie. Das störte mich zwar dezent, doch kaum war die Stadt erreicht, machte die geniale Atmosphäre wieder sämtliche Kritikpunkte wett. Niemand respektierte mich, ich war dort ein niemand und musste mir erst einmal eine Stellung verdienen. Außerdem gab es unglaublich viel zu entdecken und überall hatte ein NPC etwas zu erzählen oder gar einen Auftrag für mich. Das Besondere war aber, dass das Spiel vollkommen ohne Linearität auskam, denn ständig konnte ich meinen Weg selbständig ändern, einfach mal einen Wald erkunden oder eine Höhle erforschen. Episch, einfach nur episch.

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Also ich fand Gothic 3 gut

Gothic 3 verfolgte ich dann von der ersten News an. Ich biss mich förmlich fest, suchte nach den winzigsten Informationen. Nie hatte mich ein Rollenspiel mehr gefesselt als Gothic, den dritten Teil wollte ich nun von Anfang an spielen, ganz ohne warten und zögern. Das tat ich dann auch und hatte viel Spaß. Die Grafik sah endlich gelungen aus, die Wälder waren wieder wie gewachsen, die Welt einfach großartig inszeniert. Die Schattenseite allerdings waren Fehler, Fehler die all die Atmosphäre wieder zerstörten. Die Performance war mies, Gegenstände poppten auf, Quests ließen sich nicht beenden, schon nach den ersten Missionen hatte ich ein starkes Feuerschwert, welches ich Ewigkeiten nicht tauschen musste und welches auch nicht so richtig in die Welt passte. Oder anders gesagt: Die Entwickler veröffentlichten das Spiel unfertig, ohne Polierung, eben vollkommen verbuggt. Spielerisch war der Titel zwar durchaus gut, aber es fehlten mindestens 3 Monate Entwicklungszeit.

Jowood vs. Piranha Bytes

Dann folgte der große Krieg. Wer ist Schuld an Gothic 3, ist es nun Publisher Jowood oder Entwickler Piranha Bytes? Ich bin kein Fanboy und daher gebe ich beiden die Schuld. Jowood wird als Geldgeber sicherlich gedrängelt haben und hat das Spiel am Ende auch fehlerhaft veröffentlicht. Auf der anderen Seite war Piranha Bytes technisch aber nie perfekt. Gothic und Gothic 2 waren ebenfalls verbuggt, wenn auch nicht so schlimm, ganz abgesehen von anderen Macken und oder der fragwürdigen Programmierung. So sind am Ende, zumindest aus meiner Sicht, beide Parteien Schuld an dem Debakel. Piranha Bytes wollte mit Gothic 3 ein Rollenspiel entwickeln, welches für ein zwanzig Mann starkes Team (Ich glaube damals waren 19 oder 20 Angestellte bei Piranha Bytes beschäftigt) einfach der reine Irrsinn war. Jowood hingegen hat das Spiel am Ende mit Fehlern veröffentlicht. Die Fehler waren  dabei keine Kleinigkeiten, weshalb die Qualitätssicherung gepennt hat, wenn es sie bei Jowood denn überhaupt gab. Am Ende ist die Schuldfrage aber auch zweitrangig, denn sie bringt kein besseres Spiel hervor. Inzwischen ist Gothic 3 mit vielen Fan-Patches zwar spielbar, doch die Marke selbst wurde grauenvoll ermordet.

Warum ich Risen hasse

Doch wo etwas stirbt, da ensteht oft neues. Bei Piranha Bytes war das ein neues Rollenspiel mit dem Namen Risen. Der Titel wurde erst etwas kurios angekündigt, entpuppte sich dann aber als Gothic auf einer Insel. Zumindest fast, denn auch wenn sich vieles bekannt anfühlte, war das Art Design doch etwas vollkommen anderes. Mir missfiel Risen einfach, weil es sich wie ein Casual Gothic anfühlte. Die vielen kleinen Details, die Gothic damals so lebendig wirken ließen, fehlten bei Risen einfach. Es war linearer, bot weniger Möglichkeiten, war mehr an den Massenmarkt angepasst. Ein professionell entwickeltes Rollenspiel also, aber keine einzigartige Perle mehr. Der Charme von Piranha Bytes war für mich verflogen. Von Risen 2: Dark Waters möchte ich auch gar nicht erst reden, denn der Titel war für mich einfach schrecklich und alles andere als gelungen. Spielerisch mag zwar alles gestimmt haben, aber Piraten, Inseln, das allgemeine Setting – Es war einfach nicht mein Fall. Risen find ich Scheiße, Risen 2 auch.

Gothic ich vermisse dich

Am Ende lande ich nun wieder am Anfang. Ich vermisse dich Gothic. Ich vermisse deine realistisch graue Grafik, deine technischen Unzulänglichkeiten, die du dafür aber auch mit viel Charme wieder wettmachst und mit einzigartigen Details neue Wege gehst. Ich vermisse das Gefühl, in eine fremde und mittelalterliche Stadt zu kommen, um mich dort erst einmal beweisen zu müssen, bevor mich auch nur einer der Anwesenden akzeptiert. Ich vermisse deine Individualität, die fehlende Linearität, deinen Humor, deine Aussicht, deine Freiheit. Ich vermisse dich Gothic, weil all das erwähnte dich so einzigartig werden ließ. Im Großen und Ganzen gesehen, war dein Gameplay nur realistisch und daher auch etwas unspektakulär. Vermutlich musstest du deshalb sterben. Risen lässt sich viel besser vermarkten, Risen wird bestimmt noch viel Erfolg haben. Nur bei mir nicht, denn ich vermisse Gothic. Das typisch deutsche Rollenspiel, fernab vom Mainstream, weit weg vom internationalen Markt. Ich vermisse dich.