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Hitman: Absolution Test

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Hitman: Absolution ist da

Als im Jahr 2000 das erste Hitman-Spiel mit dem Namen Hitman: Codename 47 veröffentlicht wurde, rannte ich sofort in den Laden und kaufte mir den Titel. Einen Killer spielen, das war damals ziemlich cool und einzigartig, vor allem weil der Spieler erstmals auf der bösen Seite stand. Das Böse spielen, das mochte die Politik in Deutschland schon damals nicht und so konnte ich froh sein, dass ich das Actionspiel rechtzeitig gekauft hatte, bevor es wieder aus dem Handel verbannt wurde. Mit Hitman 2: Silent Assassin änderte sich dann viel, das Spiel selbst war aber weiterhin sehr gelungen. Alles was danach kam, ging für mich allerdings unter, denn an das Spielgefühl und die Einzigartigkeit eines Hitman: Codename 47 kam kein Ableger der Reihe jemals mehr heran. Nun bringt Square Enix das komplett neue und angeblich beste Hitman-Spiel aller Zeiten auf den Markt, was Hitman: Absolution heißt und wirklich alles noch einmal umkrempelt. Features wurden entfernt und hinzugefügt, der Hitman soll wieder zu der alten Größe finden. Ob das wirklich geklappt hat, erfahrt ihr nun in einem ausführlichen Test zum neusten Killerspiel.

Das Spiel mit dem Instinkt

Seit Hitman: Blood Money ist der Auftragskiller klüger geworden, eigentlich sogar übersinnlich. Instinkt nennt sich dieses neue Feature, was fast schon einem Cheat gleicht. Gerade deshalb ist es vorab auch stark diskutiert worden, schließlich verliert Hitman: Absolution mit dem Instinkt viel Spielgefühl, vor allem aber auch Anspruch. Doch Moment, was ist der Instinkt denn nun genau? Der Instinkt von Hitman: Absolution schaltet auf Knopfdruck in eine Art Zeitlupe, doch nicht nur das, denn auch wichtige Informationen, Hotspots, sowie Laufwege der Wachen werden angezeigt, die Wachen selbst sind ebenfalls erleuchtet und besser sichtbar, sogar durch Wände hindurch. Ein Cheat ist deshalb durchaus der richtige Ausdruck für dieses Feature, gut dass es auf den höheren Schwierigkeitsgraden aber gar nicht erst verfügbar ist bzw. nur stark reduziert. So bekommen nur Anfänger den Instinkt, die so ganz casual durch die Levels kommen. Echte Profikiller hingegen verzichten komplett auf das neue Feature und erleben den Hitman mit all seinen Schwierigkeiten, mit all seinen Problemen. IO Interactive hat damit einen guten Kompromiss gefunden, der dafür sorgt, dass auch Anfänger Hitman: Absolution spielen können, die Profis aber nicht verärgert oder vor den Kopf gestoßen werden. Ich bin jedenfalls zufrieden mit dem Feature und der Art, wie es in den Titel integriert wurde.

Hitman Absolution Test Screenshot 1

Per Instinkt werden wichtige Punkte und Gegner markiert. Hier zum Beispiel in Polizist.

Ein Killer kommt rum

Hitman: Absoltuion punktet mit viel Abwechslung. Die Missionen unterscheiden sich stark, auch die Schauplätze selbiger wechseln sich gekonnt ab. Von Detroit, bis hin zur Hanfplantage oder einem verruchten Stripclub ist alles dabei, so sorgt das Actionspiel für eine Menge Abwechslung. Die Orte unterscheiden sich nämlich nicht einfach nur, sondern bringen auch stets optisch frischen Wind mit. Farbgebungen, Atmosphäre, alles ist komplett anders und sorgt immer wieder für ein einzigartiges Feeling. Die Abwechslung kommt aber auch nicht ausschließlich von den vielen Schauplätzen, sondern eben auch durch die vielen Möglichkeiten im Spiel. Lösungswege gibt es gleich im Dutzend, jede Mission lässt sich auf verschiedenste Arten bewältigen. Gerade diese herauszufinden, macht in Hitman: Absolution dabei unglaublich viel Spaß. Wo lässt sich die Zielperson komplett lautlos ausschalten? Wo würde ein gezielter Schuss für möglichst wenig Aufsehen sorgen? Fragen über Fragen, die die Missionen im Spiel ziemlich spannend werden lassen. Vor allem wird Hitman: Absolution aber eben nie langweilig, weil es ständig neue Impulse oder Überraschungen in der Handlung gibt. Langweilig wird das Killerspiel demnach nie.

Macken bei der Balance und KI

In Hitman: Absolution ist allerdings nicht alles so toll, wie es am Anfang scheint. So hat der Titel Probleme mit der Balance, weshalb das Spiel zu Beginn sehr einfach, dann aber plötzlich sehr schwer wird. Klar, dass kommt auch ein bisschen auf den Schwierigkeitsgrad an, aber gerade durchballern funktioniert am Anfang doch besser als erhofft. Er zur Mitte des Spiels werden Gewalttaten deutlich schwieriger, noch intelligenteres Vorgehen ist dann gefragt. Genau das hätte aber schon von Anfang an so sein sollen, hier stimmt die Balance einfach nicht. Die ist aber auch deshalb fragwürdig, weil Hitman: Absolution dezente Probleme in Sachen KI hat. Das macht sich immer dann bemerkbar, wenn der Hitman enttarnt wird und ich mich frage, warum selbiges nun geschehen ist. Warum wurde ich gerade enttarnt, wenn ich doch mit dem Rücken zur Wache stand und Abstand gehalten habe. Wirklich oft kommen solche Patzer aber auch nicht vor und so würde ich Hitman: Absolution deshalb keineswegs abwerten. Dennoch wäre in Sachen KI und Balance deutlich mehr drin gewesen. Auch die nervigen Checkpoints zerstören oft das Feeling, denn wer das Spiel in einer Mission komplett beendet, muss selbige beim Neustart wieder von vorne beginnen. Trotzdem sind mir Checkpoints bei einem Hitman: Absolution immer noch lieber als freies speichern, denn letzteres würde zu ständigen Quicksaves führen, die wiederum die Atmosphäre killen. So müssen zwar ein paar Kompromisse gemacht werden, aber insgesamt funktioniert das System. Das Einzige was wirklich massiv stört und immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass überall im Spiel Kisten für Leichen rumstehen. Selbst im Hotel auf dem Klo steht eine riesige Kiste, genau wie in jedem Nebenzimmer. Die Kisten lassen sich natürlich immer irgendwie erklären und schönreden, doch zu oft wirken sie zwanghaft platziert, damit der Spieler seine Leichen loswerden kann.

Hitman Absolution Test Screenshot 2

Die KI passt mir an vielen Stellen nicht. Selbst als die Leiche laut auf den Boden aufschlägt, bemerkt der Polizist rein gar nichts.

Ein Schmuse-Killer

Die Geschichte von Hitman: Absolution konnte mich sofort begeistern, allerdings am Ende nicht restlos überzeugen. Im Groben dreht sich die Handlung um Victoria, ein geheimnisvolles Mädchen, welches von der Verräterin Diana geschützt wurde. Der Hitman hat nun gewissermaßen Mitleid und rettet sie, doch schnell beginnt eine Jagd, die als Ziel das junge Mädchen auserkoren hat. Was an der Kleinen so geheimnisvoll ist, bleibt lange Zeit unklar,  auch warum Hitman sein eigenes Leben für sie riskiert. Außerdem empfand ich die Story als ziemlich Klischeehaft, stellenweise erinnerte sie mich immer wieder an bekannte Filme. Meiner Meinung nach wäre geschichtlich also weit mehr drin gewesen, denn auch wenn mich das Gameplay von Beginn an gepackt hat, so dauerte es bei der Handlung ziemlich lange, bis selbige für mich logisch, nachvollziehbar, sowie spannend wurde. Einige Dinge waren für mich aber auch schlichtweg nicht nachvollziehbar und auch das Hitman “menschlicher” wird, ist nicht unbedingt mein persönlicher Geschmack. Ich wäre bei dem erwachsenen Killer-Setting geblieben, hart, erbarmungslos und schockierend. Die Story ist demnach zwar gelungen, verschenkt am Anfang aber viel Potenzial und wird erst zur Mitte hin interessant.

Spiel mit den Farben

In Bezug auf die Grafik gibt es bei Hitman: Absolution nur wenig zu meckern. Das Spiel bringt extrem viel Abwechslung mit, spielt immer wieder gekonnt mit den Farben, verändert häufig den Schauplatz und setzt Menschenmengen sehr atmosphärisch in Szene. Die Charaktere sind ebenfalls äußerst gelungen designt, nur Nebenpersonen fallen hier und da etwas detailarm aus. Ansonsten gibt es immer wieder die typischen Anhängsel der Konsolen, so dass hier und da mal eine Textur unscharf ist oder es an kleinen Details mangelt. Letzteres ist aber wirklich selten der Fall, denn fast alle Schauplätze sind ziemlich detailverliebt eingerichtet worden. In der Küche gibt es allerlei kleine Werkzeuge und Lebensmittel auf den Tischen, an der Wand im Hotel hängen hübsche Bilder, hier und da stehen einzigartige Objekte, die bei Berührung viel Krach erzeugen können. Die Animationen stimmen dabei ebenfalls, Hitman: Absolution setzt sich demnach wirklich gekonnt in Szene. Gerade der allgemeine Look des Spiels ist sehr gut gelungen, stilsicher einfach, realistisch mit einem Tick Übertreibung. Zu meckern gibt es jedenfalls kaum etwas und wenn, dann nur auf hohem Niveau.

Hitman Absolution Test Screenshot 3

Die Grafik in Hitman: Absolution ist wirklich heiß …ähhh sehr gut gelungen.

Fazit zu Hitman: Absolution

Ein Fazit zu Hitman: Absolution zu schreiben, ist ziemlich einfach. Von Anfang an hat mir der Titel nämlich viel Spaß gemacht, weil er sowohl für Anfänger, als auch für Profis funktioniert. Davon abgesehen gibt es eine wunderschöne Grafik, sowie starke und richtig dreckige Charaktere, die manchmal schon echt eklig wirken, wie in einem guten Film eben. Nicht ganz so gelungen, empfand ich persönlich aber die Story von Hitman: Absolution. Die erinnert mich zu sehr an einige Filme und Klischees, ließ mich einfach lange Zeit vollkommen kalt. Das störte mich aber nicht wirklich, weil die Aufträge den Spieler gut zu beschäftigen Wissen und ihre ganz eigene Atmosphäre versprühen, egal was nun mit der großen Hauptstory ist. Die zündet dann irgendwann in der Mitte, wird spannend und befriedigt, auch wenn ich sie mir noch härter, brutaler, skrupelloser gewünscht hätte. Schließlich geht es hier um den absoluten Abschaum des Untergrunds, der darf auch ruhig richtig fies dargestellt werden. Doch all die Kritik ist wirklich nur meckern auf hohem Niveau, denn im Vergleich mit anderen Titel ist Hitman: Absolution absolut super und eine echte Ausnahme, die den Kauf definitiv wert ist. Ich wurde jedenfalls blendend unterhalten, denn der Glatzkopf ist und bleibt einfach einer der coolsten Videospiel-Charaktere die jemals erschaffen wurden.

Ein wunderbares Hitman-Spiel, welches den Kauf wert ist.

Video

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Hitman: Absolution Testvideo