Das Wort zum Sonntag: Jetzt bin ich doch bei Facebook gelandet

Sonntag, 12. 02. 2012 - 12:00 Uhr in Kolumne

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Facebook und ich waren nie Freunde. Der Hauptgrund dafür liegt bei mir, denn ich möchte mich weder anderen Personen mitteilen, noch möchte ich soziale Kontakte über den Computer. So sagte ich also immer wieder “Nein”, wenn mich jemand fragte, ob ich mich nicht bei Facebook anmelden könnte. Erst waren dies nur vereinzelte Kontakte, doch mit der Zeit fing es an zu nerven. Nicht nur dass die Frage immer häufiger gestellt wurde, sie wurde auch gefühlte 1000 mal wiederholt. Doch ich blieb stark, denn wozu Facebook?

Facebook brauchte niemand so wirklich, doch nun sind wir an einem Punkt angelangt, wo das Netzwerk zur Pflicht geworden ist. Viele andere Dienste bieten keinen eigenen Login mehr an, sondern lediglich das einloggen über die Facebook API. Als wäre dies nicht schon genug, wollen viele Partner, viele Dinge, über Facebook regeln. Doch weit weg von den beruflichen Gründen, hören auch die Freunde nicht auf zu fragen. Am Wochenende vor meiner Anmeldung zum Beispiel, fragten mich 10 Leute nach Facebook, allerdings gefühlte 100 mal. Nervig.

Jetzt bin auch ich bei Facebook, doch bin ich nun glücklicher? Solange ich es schaffe, all die flüchtigen Bekanntschaften aus meiner Freundesliste herauszuhalten, sicherlich schon, doch sobald Personen hinzukommen, mit denen ich nur wenig persönliches zu tun habe, wohl nicht mehr. Es sei denn ich poste bei Facebook nur belanglosen Kram, was für mich dann aber wieder keinen Sinn mehr ergibt. Wo mich früher Freunde nach Facebook fragten, fragen mich nun also Unbekannte oder Partyflirts. Nervig, vor allem wenn man selbige eigentlich nie wieder sehen wollte.

Doch eine Sache haben die sozialen Netzwerke schon gebracht. Das Teilen. Es ist etwas Schönes, doch nur selten genutztes. Früher hieß es immer “ich weiß was, damit geb ich an, sag es aber nicht weiter”. Jetzt werden Interessen geteilt, wichtige Codes via Facebook verbreitet, neue Erkenntnisse über Design und Web-Entwicklung weitergegeben. Das ist eine schöne Sache, denn es hat mich schon immer genervt, wenn Leute ihr Wissen nicht weitergeben wollten. So werden gute Artikel verbreitet, der neuste HTML 5 Code erklärt, oder auch dumme Witze gemacht. Für mich der wohl größte Vorteil des Netzwerkes – Das Teilen.

So hat Facebook am Ende vielleicht doch etwas gebracht, vielleicht geht es in einigen Jahren auch unter, vielleicht besteht es noch Jahrzehnte. Irgendwie ist es aber eben zur Pflicht geworden, wird oft vorausgesetzt. Was Neues habe ich euch damit sicherlich nicht erzählt, denn vermutlich sind 99 Prozent bereits seit Jahren bei Facebook angemeldet. Ich hatte mich bislang aber immer gewehrt, denn zum einen brauchte ich es schlichtweg nicht, zum anderen weiß doch kein Mensch mit Sicherheit, was Facebook so mit unseren Daten anstellt bzw. noch anstellen wird. Das Teilen ist super, doch ich bin und bleibe halt ein Misanthrop. Nur ein Typ, der mit den Menschen nichts anfangen kann. Egal ob bei Facebook oder Google+.

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