Gameplay, Grafik, Story?

Sonntag, 19. 02. 2012 - 14:00 Uhr in Kolumne

Gameplay Grafik Story Kolumne Artikelbild

1994, ich sitze knapp anderthalb Meter vor dem Fernseher und bekomme von dem, was um mich herum geschieht nicht das Geringste mit. Gebannt verfolge ich auf dem Bildschirm Personen, die mir über einen Zeitraum von knapp 60 Stunden so sehr ans Herz gewachsen sind, dass es mir schwer fällt jetzt Abschied von ihnen zu nehmen. Nachdem die Credits komplett über den Bildschirm geflimmert sind, mache ich die Konsole aus und muss erst einmal  mit einem merkwürdig flauen Gefühl im Magen fertig werden und richtig tief durchatmen. In diesem Moment haben sich meine Erwartungen an mein Hobby schlagartig geändert.

14 Jahre jung, leidenschaftlicher Super Nintendo Zocker und dazu noch die Erkenntnis, dass Videospiele viel mehr sein können, als nur hübsche Pixel und 2 Stunden Münzen sammeln, war viel mehr, als ich von Final Fantasy 6 erwartet hätte und eigentlich auch haben wollte. Ich wollte nur ein ganz typisches JRPG zocken, in dem ich die Welt vor irgendwelchen abgedrehten Gefahren retten muss. Was ich bekommen habe, war aber so viel mehr. Eine Geschichte voller Emotionen, Gefahren, Verlusten und Hoffnungen,  die mich vom Anfang bis zu ihrem grandiosen Ende gefesselt hat.

Super Mario World, Street Fighter  II, The Legend of Zelda: A Link to the Past oder Mega Man waren alles Spiele, die ich geliebt und auch stundenlang gezockt habe. Außerdem hatten diese Spiele ja auch ziemlich nette Grafik zu bieten. Aber nachdem die Konsole ausgeschaltet war, habe ich mich nicht weiter mit diesen Spielen beschäftigt. Geschweige denn, auch nur im Ansatz über ihre Geschichte oder deren Protagonisten nachgedacht. Selbst bei Secret of Mana ging es mir mehr um das Gameplay, als um das Schicksal meines Pixelmännchens. Ich hatte Spiele bisher eigentlich meistens nur wegen ihrer Grafik und den Spielmechaniken gezockt. Doch nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dass ein Spiel in mir ehrliche Emotionen abseits von Spaß auslösen kann. Das war immer der Job von Büchern, Filmen oder Musik.

Heute, 18 Jahre später, zähle ich die Geschichte von Final Fantasy 6 noch immer mit zum Besten, was es im Videospiel Bereich gibt. Und das alles ohne realistische Grafik, vertonte Dialoge oder den Londoner Symphonikern, die dem Ganzen noch den Rest geben. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sich in all den Jahren durch die erweiterten technischen Möglichkeiten, auch die Qualität der Erzählungen in Videospielen um ein vielfaches steigert. Doch leider entspricht das nur in den seltensten Fällen der Realität. Grafik, Sound und Multiplayer haben sich in gewaltigen Schritten weiterentwickelt. Und sicher ist auch die Präsentation der Story, in vielen Fällen, kinoreifer und pompöser geworden. Doch die Qualität der Erzählungen hat leider nicht den Sprung gemacht, den ich mir damals erhofft hatte.

Vielleicht liegt es ja daran, dass heute eine viel größere Masse an Spielern bedient werden muss. Das alles gepaart mit einer noch größeren Masse an unterschiedlichen Spielen, um auch ja jeden zufrieden zu stellen, könnte ein Grund dafür sein, dass die Qualität der Story schlussendlich leidet. Es muss immer zügiger ein Markt bedient werden, der vor einigen Jahren noch relativ klein und in Kinderschuhen im Untergrund rumgeschlendert ist. Druck von großen Publishern und mächtig ausufernde Werbekampagnen tun dann ihr übriges um dafür zu sorgen, dass nicht viel Zeit bleibt, bis ein Spiel auf den Markt gebracht werden muss.

Und natürlich gab es früher noch nicht die technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen. Es gab in Videospielen noch keine fotorealistische Grafik und auch keine massive Musikuntermalung in CD Qualität. Also wurde viel mehr Wert auf das Geschriebene gelegt,  um den Spielern die Gefühle der Figuren näher zu bringen. 16 Bit Grafik und 8 Bit Sound boten damals eben nur sehr begrenzte Möglichkeiten, den Spieler emotional an ein Spiel zu binden. Der Druck etwas schnell zu veröffentlichen, war durch fehlende Konkurrenz und die viel geringere Popularität von Videospielen auch nicht so groß.  Das alles sieht heute natürlich etwas anders aus und führt dazu, dass in erster Linie, an der Grafik und dem Multiplayer gebastelt wird, um möglichst viele Menschen auf die Schnelle zu erreichen. Innovationen im Gameplay werden dann meist eher skeptisch beäugt, nur um dann auf altbekanntes zurück zugreifen. Dazu kommen noch ein bis zwei große Namen, die das ganze Gebräu dann vertonen und fertig ist der Mega Hit. Schön nach Schablone und immer auf der sicheren Seite. Hübsche Grafik täuscht ja auch meist über fehlende Konsistenz hinweg.

Natürlich gibt es auch heute noch großartige Geschichten und Innovation in Spielen. Nur eben nicht so oft, wie ich es gerne sehen würde. Und es wäre gelogen zu sagen, dass sich dort keine Entwicklung getan hätte. Es muss natürlich auch nicht jedes Spiel vor lyrischer Qualität oder aufgezwungener Innovation übersprudeln. Ich brauche meine Spiele, in denen ich auf den Awesome Button drücken kann und alles um mich herum in tausend Einzelteile fliegt, genauso wie ein ordentliches Prügelspiel. Aber öfter mal wieder eine Geschichte, die mich so richtig fesselt, mit Charakteren, die mir auch wirklich am Herzen liegen, wäre schon was Feines. Wenn ich dazu noch hübsche Grafik und geschmeidiges Gameplay bekomme, kann ich auch nachts wieder ruhig schlafen.

Neu: EUR 69,95   Gebraucht: EUR 25,00

Durchschnittswertung:

1.5 von 5 Sternen
Release Datum: 2011-10-27