Zu viele Informationen verderben den Brei
Es ist doch immer der gleiche Ablauf. Ein neues Spiel wird angekündigt und schon folgt eine Welle von Trailern, Entwicklertagebüchern oder angeblichen Game Play Leaks im Internet. Und tatsächlich schaue ich mir dann auch einen Großteil davon an und kenne das Spiel schon vor dem eigentlichen Release Termin in- und auswendig. Wenn ich es dann endlich richtig zocken kann, bleiben die wirklichen Überraschungsmomente aus und irgendwie haut es mich auch meist nicht mehr so recht vom Hocker. In letzter Zeit dachte ich immer, dass diese fehlende Begeisterung daher kommt, dass ich in all den Jahren einfach zu viel gezockt habe und langsam mal eine Pause einlegen sollte.
Aber dann hat mich Star Wars: The Old Republic eines besseren belehrt. Dieses Jahr hatte ich eigentlich nur einen Titel auf meiner Must Have Liste. Stundenlang habe ich das Internet nach jeder noch so kleinen Information, die mir mehr über das Spiel verrät, durchforstet. Jeden Trailer und jedes Gameplay Video habe ich mir mehrmals hintereinander angeschaut, um auch ja jede Einzelheit zu erfassen. Nichts sollte mir bis zum Release entgehen. Tja, und als ich es dann endlich zocken konnte wurde mir bewusst, dass ich schon so unglaublich viel von dem Spiel kenne und nicht mehr das Gefühl habe, etwas Neues zu erleben. Dieses Spiel war The Elder Scrolls V: Skyrim. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich liebe Skyrim nach wie vor und bin auch vollends zufrieden damit, aber irgendetwas hat mir dann doch gefehlt.
Das, was mir gefehlt hatte, konnte mir überraschender Weise Star Wars: The Old Republic bieten. Ich bin das ganze Jahr so auf Skyrim fixiert gewesen, dass ich The Old Republic komplett ignoriert hatte. Ich hatte mir einige Gameplay Videos angeschaut und das Spiel als World Of Warcraft Klon mit Sprachausgabe abgehakt. Und was Besseres hätte mir gar nicht passieren können.
Vor gut einer Woche habe ich mal wieder richtig Lust auf ein MMORPG bekommen. Also bin ich ab in den Laden, um mal zu schauen was es denn so gibt. Da es dort The Old Republic gab, hab ich es mir einfach mal mitgenommen. Und direkt bei der Installation wurde mir klar, dass ich komplett ohne Vorwissen an dieses Spiel herangehe. Alles war für mich neu. Ich hatte nicht die geringste Ahnung welche Charakter Klassen es gibt, wie die Grafik ist, oder aber wie das Spiel überhaupt funktioniert. Also blieb mir nur übrig, abzuwarten und mich überraschen zu lassen.
Und jetzt, eine Woche später, bin ich mehr als froh, dass mir diese Perle nicht entgangen ist. Seit meinen ersten Minuten mit Star Wars: The Old Republic erlebe ich Dinge, von denen ich vorher weder etwas gehört noch gesehen habe. Nichts kommt mir vertraut vor und ich habe auch kein Déjà-vu Gefühl während ich durch die Galaxie streife. Und im Nachhinein wünsche ich mir, dass ich es bei Skyrim genauso gemacht hätte. Einfach Augen und Ohren zu, sobald im Internet irgendwelche Artikel oder Videos über Skyrim aufgetaucht sind.
Doch das ist gar nicht so einfach. Früher hatte man höchstens seine Computerzeitschriften, die man monatlich durchstöbert hat, um an Neuigkeiten zu kommen. Da konnte man dann mit etwas Glück einige Infos über das Spiel, an dem man interessiert war, erhaschen. Es gab keine 20 Minuten langen Game Play Videos oder Entwicklertagebücher, die einem den Großteil des Spiels schon vorher verraten haben. Es wurde meistens kurz umrissen, um was es in dem Spiel geht, was man von der Spielmechanik zu erwarten hatte und einige Screenshots konnte man dazu auch noch bewundern. Und das war es dann. Alles andere gab es entweder im ausführlichen Test zu lesen oder man hat sich das Spiel gekauft und selbst gezockt, um dann zu sehen wie gut oder schlecht es ist.
Sicher gab es bei mir auch ab und an mal einen amtlichen Fehlkauf. Aber meistens bin ich mit den Spielen, die ich mir gekauft hatte, sehr zufrieden gewesen. Was bestimmt auch daran lag, dass ich keine übermäßigen Erwartungen hatte. Ich musste mich ja mit dem, was ich in der Zeitschrift gelesen hatte, zufrieden geben. Oder in den seltensten Fällen auch mal mit einer Demo, die bei der Zeitschrift dabei war.
Ich werde jedenfalls mal versuchen, bei den Titeln die ich wirklich mit Spannung erwarte, das Anschauen von Videos und das Lesen von Artikeln auf ein Minimum zu reduzieren. Einfach mal wieder warten bis ein ordentlicher Test erscheint durch den ich die Informationen bekomme, die ich brauche. Vielleicht stellt sich ja dann auch wieder das Gefühl bei mir ein, etwas Neues zu erleben und nicht vor einem Spiel zu sitzen, bei dem man das Gefühl hat, es schon bis zur Hälfte durchgezockt zu haben.
Aber das ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan. In Zeiten, in denen das Internet mich von allen Seiten mit Informationen zuschüttet ist es gar nicht so einfach, auch mal wegzuschauen. Die Verlockung schon vorher ganz genau zu wissen, ob sich der Kauf auch wirklich lohnt, ist schon recht groß. Außerdem reden meine Freunde sowieso von allen möglichen Trailern und Interviews, die sie auf irgendeiner Seite zu irgendeinem Spiel gesehen haben.
Also werde ich mir für 2012 wohl vornehmen, mich in einen dunklen Keller zu sperren ohne Zugang zur Außenwelt und nur mit Dosenfutter bewaffnet. So sollte es klappen, dass ich über Daksiders 2 und Torchlight 2 nichts mehr zu sehen oder zu hören bekomme, bis ich sie endlich in den Händen halte. Vielleicht habe ich mit diesen Spielen dann genauso ein grandioses Erlebnis wie mit Star Wars: The Old Republic. Bei Diablo 3 ist es dafür leider schon etwas zu spät. Aber nach mehr als 10 Jahren Wartezeit auf einen Nachfolger zu Diablo 2 ist meine Geduld nun auch langsam am Ende. Ich will einfach nur noch wissen, was da auf mich zukommt und vor allem wann.
Hach ja, lang lebe das Internet ;)




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