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Wildes Marketing

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Wildman Wildes Marketing Indie Games

Alles nur wilde Berechnung

Erst vor wenigen Tagen kündigte Chris Taylor, Gründer von Gas Powered Games und Erfinder von Dungeon Siege, den Rollenspiel Strategie-Mix Wildman an. Finanzieren soll sich das ganze via Kickstarter, also über die Spieler und Fans selbst, welche dort kräftig Geld spenden dürfen, um das Projekt mit kleinen Summen gemeinsam zu unterstützen und am Leben zu erhalten. Kaum war das Projekt in aller Munde, gab es gleich die nächste große News von Gas Powered Games, denn das Unternehmen scheint pleite, fast alle Angestellten werden entlassen, hieß es in den ersten Meldungen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ein Idiot, wer blind alles glaubt. Ich sage: All das ist nichts weiter als wilde Berechnung, also schlichtweg ein ungewöhnliches Marketing, erdacht von Chris Taylor.

Die Entstehung eines Skandals

Warum ich das meine? Ganz einfach, denn nun berichtet jeder, wirklich jeder auf der Welt über Gas Powered Games und über das neue Spiel Wildman. Selbst Websites, die das Kickstarter-Projekt vorher nämlich noch nicht erwähnt hatten, schreiben nun ausführlich darüber und was aktuell geschieht. Ein Schock für Fans, ein Aufschrei in der Community – Oder anders: Genau das, was so ein Projekt bei Kickstarter eben braucht. Mehr Aufmerksamkeit geht nicht und der Zeitpunkt für so eine News ist nicht schlecht, sondern genau richtig gewählt. Die Presse nutzt den Stoff nämlich nur zu gerne aus, um klischeehaft über Wildman und Gas Powered Games zu berichten, aufmerksam zu machen, einen “Skandal” zu erschaffen. Den gibt es natürlich eigentlich gar nicht, vermutlich wissen das die meisten Kollegen auch, aber darüber schreiben muss man ja trotzdem, damit möglichst viele anspringen und es wieder viel Stoff für wilde Diskussionen gibt.

Rekordsummen durch Sympathie

Das funktioniert auch in der Tat, denn bei Kickstarter und in den US-Foren überschlagen sich inzwischen die Kommentare zu diesem Thema. Auf jeder Website wird berichtet, das Projekt bei Kickstarter bekommt viel Aufmerksamkeit, einige Spenden sind ebenfalls bereits eingezahlt worden. Schlussendlich geht die Rechnung tatsächlich auf. Während Spieler also noch wild darüber philosophieren, warum Chris Taylor und Gas Powered Games nun plötzlich pleite sind, werden die Verantwortlichen sich inzwischen schon die Hände reiben. Ich sage mal vorsichtig voraus, dass Wildman auf Kickstarter nun eine extreme Aufmerksamkeit bekommt und eventuell sogar Rekordsummen einbringen wird. Und das, obwohl das Projekt selbst kein echter Top-Titel ist, sondern eben nur ein Spiel mit viel Herz, von einem eigentlich recht sympatischen Spieleentwickler.

Nichts als wildes Marketing

Dabei kenne ich aktuell noch nicht gar nicht sämtliche Fakten zu Wildman und der aktuellen Situation, denn vieles wird nur mäßig übersetzt und so muss ich das Meiste von US-Websites recherchieren. Bezweifeln möchte ich die Pleite dabei übrigens gar nicht, doch ich möchte dem ein oder anderen die Augen öffnen, damit er jetzt nicht blind auf das PR-Gewäsch hereinfallt. Es ist kein Skandal. Gas Powered Games ist sicherlich auch nicht zufällig, kurz nach dem Start von Wildman bei Kickstarter, das Geld ausgegangen. Vielmehr geschah all das bereits früher, es wurde sich eine Strategie überlegt, wie das Projekt dennoch größte Aufmerksamkeit erhält. Beweisen lässt sich meine Äußerung natürlich nicht, doch am Ende ist es meist immer so. Viele werden nämlich von der Welle mitgerissen, die nun aus der vermeintlichen Pleite, eine große traurige und skandalöse Sache macht. Traurig ist so etwas bestimmt, doch die Ankündigung selbst ist dennoch nichts als wildes Marketing.

Kein Bock mehr auf PR

Am Ende ist nach all den Falschmeldungen kaum noch etwas wahres zu finden. Doch, bei Kickstarter selbst, denn dort spricht Chris Taylor in einem aktuellen Video über die News, Gerüchte und Wahrheiten. Es gibt noch ein kleines Team, nur der Großteil wurde inzwischen entlassen und wird wohl eventuell auch wieder eingestellt, aber eben nur wenn die Kampagne bei Kickstarter ein großer Erfolg wird. Ich sagte es bereits und sage es nochmal: Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ein Idiot, wer mal wieder auf das Gerede hereingefallen ist. Leider funktioniert so etwas immer wieder, es gibt schließlich gute Gründe dafür, warum virales Marketing und ähnliche Dinge so begehrt sind. Unterschwellige Werbung von Youtubern, die ihre Shows schon längst mit mehreren tausend Euro teuren Kameras aufzeichnen, aber immer noch als kleine Privatpersonen wahrgenommen werden. Selbst dann noch, wenn ganze Firmen hinter den Produktionen stehen. Und weil so etwas immer noch funktioniert, werde ich auch immer weiter solche Kolumnen schreiben. Einfach, weil ich kein Bock mehr auf diese ganze PR-Masche habe. Wenn es denn bei Wildman tatsächlich so ist. Danke fürs lesen.

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