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Looterkings: Gute Bewertungen für ein schlechtes Spiel, dank Gronkh.

Looterkings Teaserbild

Ein Spiel für Let’s Play Fanboys

Habt ihr schon einmal von Looterkings gehört? Wenn ja, dann liegt es bestimmt daran, dass ihr Fans von Gronkh, Sarazar oder vielleicht auch dem eher weniger bekannten SgtRumpel seid. Wenn nicht, dann liegt es ganz sicher daran, dass ihr auf den ersten Blick bei Steam erkannt habt, dass weder Spiel, noch Gameplay überzeugen können. So wie es eigentlich auch schon die langweiligen Trailer vorab verrieten und wie es nun auch die Early-Access-Fassung von Looterkings beweist. Was mich daran stört und warum das Spiel trotz Mängel ohne Ende positiv bewertet wird, möchte ich nun mal etwas umfangreicher darlegen.

Die Looterkings GmbH

Looterkings wurde mit einem kleinen Team realisiert und mit finanzieller Unterstützung der Playmassive GmbH bzw. der neu gegründeten Looterkings GmbH gestemmt. So mischen auch irgendwie Gronkh und Sarazar mit, die beim Entwickler beide als Geschäftsführer auftreten und vermutlich vor allem für das Kapital verantwortlich waren. Wie genau das ganze aber aufgeteilt ist, wurde nie so richtig entschlüsselt oder bekanntgeben, zumindest habe ich es nie mitgekriegt, aber ich gehe eben einfach mal davon aus, dass sie als Geschäftsführer bzw. Gesellschafter Anteile an der looterkings GmbH besitzen und auch als größte Geldgeber fungieren. Soweit so gut. Ein neu gegründeter Entwickler also, das ist nichts neues, das ist nicht spektakulär. Es liegt sogar nahe, schließlich machen die Beiden Let’s Plays und die Idee, in Spiele zu investieren, scheint da nur logisch zu sein.

Prototyp statt echtes Spiel

Looterkings ist vom Konzept her nun ein ziemlich lustiges kleines Indie Game. Vier Goblins prügeln sich im Koop-Modus mit allerlei Feinden herum, schnappen sich gegenseitig den Loot vor der Nase weg, oder beklauen sich, indem sie sich mit Betäubungspilzen bewerfen und anschließend bestehlen. Das klingt tatsächlich total nach Goblins, oder eben nach Gnomen, wie man die kleinen Wesen als “Lausbuben” der Fantasywelt nun einmal so kennt. Rein vom Spielprinzip funktioniert das alles recht gut. Das Problem dabei ist nur, dass Looterkings absolut minderwertig ist. Das Spiel schafft es daher auch nicht einmal ansatzweise, sein Konzept in die Realität umzusetzen und wirkt oft eher wie ein fortgeschrittener Prototyp, als ein ernstzunehmendes Videospiel.

Looterkings Screenshot 1

Sieht so spaßig aus, klingt so toll, ist am Ende aber langweilig und frustrierend.

Alptraumhaftes Games Design

All das fängt schon beim Game Design an, welches durchweg enttäuscht, und geht weiter bis hin zu Dingen wie dem grauenvollen Interface Design. Selbiges sieht aus wie von einem Programmierer erstellt, war es ein Designer, unterstelle ich ihm einfach mal, dass er seinen Job nicht beherrscht oder ihn nicht richtig ausführen durfte. Die Todsünde aller Videospiele wird auch sofort begangen, denn von Anfang an wartet viel Text auf den Spieler und Fragezeichen erklären einem die Steuerung und das grundlegende Spielprinzip von Looterkings. Kein echtes Tutorial, kein vertontes lernen, billigste Texte, mit einer katastrophal schlechten Typographie erwarten den Spieler. Lustig soll vieles davon sein, ist aber eher ein Mitten-in-die-Fresse Humor, der zu direkt, zu plump, zu unbeholfen wirkt. Das macht keinen Spaß. Nicht mehr seit Steinzeit der Videospiele, denn schon damals haben wir uns über Texttafel-Tutorials beschwert, die fortan als Sünde bei der Gestaltung von Tutorials galten. Schön das Looterkings so retro ist, dass es alte Fehler erneut begeht.

Statisch, leblos, ernüchternd

Nun wäre das alles verzeihbar, denn Grafik ist oberflächlich, Tutorials sind irgendwann vorbei und so weiter und sofort. Ich bin außerdem ein großer Freund von Indie Games und weiß, dass oft das Geld für aufwändige Tutorials oder Grafik fehlt, dass auch Indie Games inzwischen sehr hohe Summen verschlingen. Doch Looterkings schafft es auch spielmechanisch nicht zu überzeugen. Das liegt unter anderem daran, dass zur schlechten Grafik auch noch miese Animationen gesellen. Sie sind nicht weich genug, was in Verbindung mit der langweiligen Optik ein Problem darstellt. Genau wie das fehlende Trefferfeedback der Gegner. Physikalisch tut sich da einfach nichts. Die Gegner stürmen auf mich zu, doch ich kann sie nicht effektvoll zur Seite schlagen, ihnen kein Tritt verpassen, kein Zauberspruch wirken, der wirklich (!) physikalischen Einfluss auf ihre Bewegung nehmen würde, kann ihnen keinen Arm abhacken, keinen Pfeil durch den Kopf schießen – nichts (!). Dadurch wirkt Looterkings extrem statisch, leblos und das farbarme Grafik-Set, mit fehlenden Details, macht all das nur noch schlimmer. Grafik ist immer zweitrangig, aber ebenauch nur dann, wenn in Sachen Mechanik extrem viel gefeilt wurde. Das ist bei Looterkings aber nicht der Fall. Im Gegenteil.

Fehlende KI und unfaire Balance

Zu all den Problemen, gesellt sich dann nämlich auch noch eine grauenvolle Balance. Das Spiel soll schwer sein, heißt es immer wieder, doch war es zu Beginn einfach zu schwer und zu unfair. Eine KI existiert nicht, zumindest keine durchdachte, die Gegner rennen oft nur einfach auf mich zu. Tun das alle, oder sterben meine Freunde, laufen ich wie dumm im Kreis herum und versuche, ohne getroffen zu werden, hier und da mal einen Schlag zu landen, um noch irgendwie voranzukommen. Hilfreich ist es meistens Bugs zu nutzen, oder die Schwächen der KI bzw. Wegfindung zu exploiten. Ohne Freunde ist das Spiel trotzdem nahezu unspielbar, auch wenn inzwischen ein wenig daran gearbeitet wurde. All das ist stumpf und hat nichts mit spielerischem Anspruch zu tun. Looterkings ist einfach langweilig, oft unfair und auf gar keinen Fall unterhaltsam.

Looterkings Screenshot 2

Looterkings ist in Sachen Grafik extrem trist. Keine Highlights, keine Farbführung im Spiel, viel vom Gleichen und hässliche Icons im unansehnlichen Interface.

Fanboys kaufen alles, so scheint es

Looterkings setzt zum Verkauf allerdings voll auf die Fanbase von Gronkh und Sarazar. Das Spiel ist Schrott und wird im Early Access trotzdem für fast 20 Euro angeboten. Viel zu teuer für etwas derartiges, absurd teuer sogar, ich möchte es Unverschämtheit nennen. Die Bewertungen suggerieren, dass Looterkings ein unterhaltsames Indie Game wäre. Ist es aber nicht. Die Bewertungen stammen offensichtlich von Fans, oder von Leuten die noch nie in ihrem Leben was richtiges gespielt haben, denn Steam ist voll mit besseren Spielen für weit weniger Geld. Hier wird den Let’s Play Fans das Geld im Grunde nur aus der Tasche gezogen. Gronkh und Sarazar machen es damit nur geringfügig besser als all die anderen Youtube-Gestalten, die mit ihren zweifelhaften Produkten Geld verdienen. Ob es nun Duschschaum ist oder ein Videospiel, macht da eigentlich keinen Unterschied. Einziger Kaufgrund ist Fanboy-Getue, denn qualitativ ist Looterkings weit, weit, weit von einem vernünftigem Spiel entfernt. Early Access als Ausrede hin oder her.

Herzblut trifft Unvermögen

Versteht mich aber bitte nicht falsch. Sicher steckt in Looterkings viel Herzblut, aber es steckt eben auch viel Unvermögen drin. Allem Anschein nach, hat niemand in dem Team jemals an einem Spiel gearbeitet und die Leitung übernahm jemand, der ebenfalls keine Ahnung hatte. Wo ist der Senior im Team, wo der Produzent? Leidenschaftliche Spieler können eben noch lange kein Spiel entwickeln. Herausgekommen ist ein zusammengeflicktes Etwas, was so nicht funktioniert. Das sieht jeder, aber dennoch wird es zu einem absoluten Spitzenpreis im Indie-Bereich (vor allem für Early Access) angeboten, was meiner Ansicht nach nicht funktioneirt. Nur mal zum Preisvergleich, weit aufwändigere und weit bessere Spiele, wie zum Beispiel The Forest, kosten nur ca. 15 Euro und sind damit umfangreicher, unterhaltsamer, sowie engagierter.

Reichweite verkaufe alles

Mit Looterkings hat es wieder einmal ein Spiel geschafft verkauft und gut bewertet zu werden, welches es nicht einmal im Ansatz verdient hat. Wer ehrliche Reviews lesen möchte, liest die negativen. Wer Fanboy-Reviews von Gronkh und Sarazar Fans lesen will, schaut sich die positiven an. So lässt sich die ganze Sache ziemlich gut zusammenfassen, denn einen anderen Grund gibt es nicht bereitwillig über alle Mängel des Titel hinwegzusehen. Aber hey… Spiele verkaufen kann so einfach sein, wenn man den größten Let’s Play Kanal und ein Videospiele Portal als Marketing-Strategie nutzen kann. Da muss die Qualität dann auch nicht mehr stimmen, denn irgendwer greift halt immer zu, auch zum unverschämt hohen Preis. Schade ist dabei nur, dass viele wirklich gute Indie-Entwickler diese Chance nicht haben bzw. auf großen Portalen oder Kanälen nicht einmal erwähnt werden. Doch dafür kann Looterkings nichts.

Looterkings Screenshot 3

Wer weiß wo die Reise hingeht. Aktuell befindet sich Looterkings noch im Early Access.

Meckern hilft nicht, Vorschläge müssen her

Allerdings möchte ich nicht nur meckern. Was Looterkings fehlt ist ein meiner Ansicht nach eine buntere Optik und so etwas sage ich wirklich nicht oft. Die Farbwahl passt einfach nicht zum lustigen Spielprinzip, die Texturen sind zu langweilig, die Levels zu leblos und detailarm. Viel wichtiger ist aber das Trefferfeedback, sodass Gegner, die einen permanent verfolgen (was manchmal nervig wird) auch mal hinfallen können. Nur als Beispiel. Oder eine Tritt-Taste, mit der Gegner und auch Freunde (hoho) umgeschubst werden können. Oder aufladbare Schüsse bei der Armbrust bzw. aufladbare Schläge, die mehr Schaden verursachen, dann aber eben eine gewisse Wartezeit, oder sogar einen Cooldown haben. Die Götterfähigkeiten sind zum Teil auch sehr merkwürdig und das Interface Design, mit den komischen Icons am unteren Rand, wirkt einfach nur peinlich. Kennt noch wer die Spiele von Lesern, die es früher mal auf der Gamestar CD gab? Daran erinnert mich das alles ein wenig. Es ist ein Konzept, ein durchaus gelungenes (wenn auch nicht neues), doch es funktioniert im aktuellen Zustand einfach nicht. Es ist nicht rund, es wirkt nicht flüssig, es kommt kein suchterregender Loot-Wahn auf – nichts. Es ist ein statisches Schießen und Schlagen auf Gegner, die das nicht im geringsten interessiert, da sie viel zu viel Lebensenergie besitzen. Außerdem gibt es kaum Items, kaum Klamotten, nichts was der Idee gerecht wird. Auch wenn der Vergleich hinkt, aber Looterkings muss einen anifxen wie Diablo 2 damals. Du metezelst dich durch Gegner, in der Hoffnung auf neue Waffen, Rüstungen, oder epische Items. Das fehlt dem Spiel hier aber komplett. Stattdessen gibt es eine Pseudo-Koop-Erfahrung, die schnell nervig und vor allem auch langweilig wird.

Fazit zu Looterkings

Early Access dient für die meisten Entwickler eigentlich nur als Ausrede für Bugs, sodass sie ihre Spiele deutlich früher veröffentlichen können, also schon Geld mit ihrem Produkt verdienen, bevor es wirklich Marktreif oder final ist. Bei Looterkings verhält es sich genau anders. Das Spiel befindet sich in einer sehr frühen Beta. Einer echten Beta, nicht die Betas die es heutzutage gibt. Es hat massive Balancingprobleme, die Fähigkeiten wirken schwach und das gesamte Spiel ist viel zu statisch. Wie im Baukasten zusammengeklickt, wie das Unity-Projekt eines Schülers oder des Praktikanten. Jetzt müssen aber Inhalte folgen, liebe Entwickler. Animationen sollten unbedingt flüssiger und verspielter werden, Fähigkeiten müssen mehr reinhauen (auch optisch!) und Trefferfeedback ist für so ein Spiel meiner Ansicht nach unverzichtbar, damit ein richtiges Gemetzel aufkommen kann. Es muss ja nicht blutig oder brutal sein, das passt nicht zum kindlichen Ansatz des Spiels, aber es sollte irgendwie mehr fetzen und zwar in jeglicher Hinsicht. Im aktuellen Zustand (Oktober 2016) ist das Spiel ein schlechter Scherz und die positiven Bewertungen beruhen garantiert nicht auf der Qualität des Titels. Allerdings schreibe ich das nicht boshaft oder voll Hass, denn nichts ist schöner als wenn echte Core Gamer, wie auch Gronkh einer ist (so scheint es mir), versuchen als Geldgeber, oder was auch immer, in den Spielemerkt einzusteigen. Es liegt einfach nahe. Allerdings merkt man dem Spiel an, dass es dem Entwickler in jedem Bereich an Erfahrung und vielleicht auch an Können und Talent fehlt. Tut mir leid.