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Gelungene Doku über die Spieleentwicklung in Deutschland


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Spieleentwicklung in Deutschland Doku

Blick hinter die Kulissen der Spielebranche

Zwei Jahre zu spät bin ich dran und dennoch, ich behaupte einfach mal, dass niemand von euch diese Doku bislang gesehen hat. Warum auch? Sie stammt nicht von Gronkh, sie wurde nicht von der Gamestar gepusht und doch ist sie besser als vieles über Videopsiele, was da Draußen so umherirrt. Im Grunde ist die Doku auch genau das, wo ich vor vielen Jahren mit Zockah.de hinwollte, bevor ich an der Realität scheiterte. Viele Entwickler hatten schlichtweg kein Interesse, die meisten von ihnen antworteten nicht einmal und selbst mit 100.000 Besuchern waren wir damals anscheinend einfach zu unbedeutend, um irgendetwas zu erreichen oder zu verändern. Umso schöner ist es, dass es einem anderen, viel kleinerem Filmemacher nun gelungen ist. In diesem Fall dem Kanal Gadarol, den ich nicht kenne und nie kannte, nun aber über eine Doku von KingArt gestolpert bin, die genau dort erschienen ist. Überraschend profesionell kommt sie daher, angenehm ruhig, eben ganz anders als der typische Youtube-Mist oder das Gedöns bei der Gamestar. Und auch wenn die Doku erst einmal so tut, als wäre sie ein einfaches Behind the Scenes, stecken doch viele Kommentare der Entwickler in ihr, die wirklich interessant sind.

Teil 1: Produzentin und Animator

So beschäftigt sich der Film im Grunde zwar ausschließlich mit KingArt und zwar im Zuge der Produktion von Die Zwerge, bietet dabei aber mehr. In Wahrheit zeigt er aber verschiedene Jobs innerhalb des Studios und ist angereichert mit einer Erklärung der einzelnen Aufgabengebiete und Arbeitsweise. Genau das macht die Geschichte so interessant. Das hier ist ein durchaus spannender Einblick in ein Studio, welches mittlerweile und innerhalb Deutschland, sicherlich mit zu den wichtigsten zählt. Im ersten Teil dreht sich dabei alles um die Produzentin und den Lead Animator.

Teil 2: Animator und Lead Artist

Im zweiten Teil der Reihe geht es abermals um die Animationen, außerdem kommt der Lead Artist zu Wort. Interessant sind hier sicherlich einige Kommentare bezüglich der Arbeit im asiatischen Raum. Stichtwort: Im Büro übernachten. Da wundert es dann auch nicht, dass Studios wie From Software ihre Trilogie von Dark Souls in einem unfassbar kurzem Zeitfenster veröffentlicht haben. Durchweg interessant die Einblicke, vor allem wenn ihr beruflich interessiert seid.

Teil 3: Lead Artist und Programmierer

Persönlich empfinde ich den dritten Teil als den Schwächsten, vor allem weil der Programmierer nichts von dem zeigt, was er eigentlich so macht, sondern lediglich seine Visualisierungen vorstellt, vermutlich weil er denkt, dass es sonst zu langweilig werden würde. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn so ist das alles nur viel Blabla. Zu gerne hätte dagegen ich weitere Einblicke in das von ihm entwickelte Framework geworfen, ein paar Programmierbeispiele oder Optimierungsmethoden gesehen und so weiter. So verkommt Teil drei ein bisschen zu sehr zu einem einfachen Interview. Schade.

Teil 4: Besuch beim Chef

In Teil vier der Dokumentation geht es in das Chefbüro und dort trifft der Zuschauer auf Jan Theysen. Ein echter Sympath, wie ich finde, der überraschend offen mit der Enstehungsgeschichte und Entwicklung bei KingArt umgeht. Alleine schon, dass in der gesamten Reihe so tiefe Einblicke gewährt werden, ist einfach nur lobenswert. Hier hat man als Zuschauer jedenfalls nicht das Gefühl, als würde er alles künstlich aublähen und gleichzeitig wirkt seine Firma einfach sehr offen, ehrlich und direkt. Gefällt mir ungemein gut, aber das ist nichts neues. Guter Mann.

Schöne Reihe, nicht perfekt

Schon klar, am Ende ist das alles keine echte »Doku«, zumindest nicht, wenn ihr es wörtlich nehmt, es ist aber eines der besten Videos, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Zwei Jahre ist es nun schon online und hat nur ein paar tausend Aufrufe. Traurig. Denn so etwas hätte ich eigentlich eher von der Gamestar erwartet, die sich aber bekanntlich dafür entschieden hat, ihre Qualität aufgunsten von Youtube und Co deutlich herunterzuschrauben. Umso erfreulicher ist es, wenn man dann doch noch ein paar Perlen wie diese hier findet, die dann auch noch unabhängig produziert wurden. Ein großes Lob an den Filmemacher und vielleicht gibt es ja nochmal einen schönen Recut, sodass tatsächlich eine kleine Doku daraus wird. Denn um Die Zwerge geht es hier doch eigentlich gar nicht, es geht eher um einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Spielebranche. Ich jedenfalls wollte euch die Reihe unbedingt empfehlen. Zum einen, weil ich sie selbst aufrgrund des Thumbnails fast weggeklickt hätte, zum anderen aber auch, weil gute Dinge einfach weiterempfohlen werden müssen. Das tue ich hiermit. Schaut euch die Clips mal an und wenn ihr euch auch nur entfernt für das Dahinter oder die Spielebranche im allgemeinen interessiert, werdet ihr sicherlich nicht enttäuscht werden.


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